Bardische Malerei
Entstehung und Entwicklung

Entstanden ist die bardische malerei in Gemeinschaftsarbeitarbeit mit dem Maler und Musiker Volker Dornemann 1991. Im Zusammenspiel von Malerei und Musik, Tönen und Farbklängen, verwischte sich oft die Grenze von Hören und Sehen -, gleichzeitig befassten wir uns mit der europäischen Geschichte- ausgehend von den Kelten- und wir nannten die entstandenen Bilder bardische malerei.

Die klassischen Barden dienten nicht allein der Unterhaltung, sie waren befähigt, ähnlich der heutigen Klangmassage und Entspannungsmusik, mit ihrer Musik zu heilen. Gleichzeitig verbanden die Barden in ihren Liedern Vergangenes mit Zukünftigem, hielten die Geschichte lebendig. Das Verständnis der Geschichte macht die Gegenwart transparenter. Diese Phase schlug sich in den frühen Bildern der bardischen malerei als kritischer Gesang über Herrschaft und Trägheit unserer Gegenwart nieder. Zu finden in der Homepage unter Bilder / 88-92.

In den neueren Bildern der bardischen malerei geht es um Energie- und Klang, Farbklang, in darstellender bis hin zu abstrakter Art. Das Hauptthema meines Werkes ist die Natur. Hierbei interessieren mich sowohl das äußere Erscheinungsbild, als auch die inneren Prozesse, welche die Erscheinungen bewirken.

In unserer Welt findet auf allen Ebenen eine Kommunikation von Energien statt, welche das Erscheinungsbild in ständiger Veränderung halten, das Thema der Evolution ermöglichen. Und die Evolution zeigt wie sehr alles Entstehende in aufbauenden Zyklen miteinander verbunden ist (in ascendi): aus einfachen kommunizierenden Elementen bilden sich immer größere zusammenhängendere und komplexere Lebensformen.

In der Ausrichtung der Materieteilchen auf den Bahnen der kreisenden und expandierenden Energie, stellt sich die ganze Wirklichkeit der Natur als ein wirbelnder Tanz dar. Und da nur das Leben auch Leben gebären kann, muss der Urgrund all diesen Daseins, diese Erde, auch eine Form von Leben darstellen. Oft scheint so mancher Stein beseelt zu sein.

Alle Bilder sind in Ölfarbe auf Leinwand gemalt. Als erstes wird das Thema in expressiver Geste mit Farbstiften entworfen, bis der natürliche Schwung die Fläche in harmonische Formen gebracht hat. Die erste Schicht in Öl legt die Farben zum größten Teil fest, in einer weiteren Schicht werden die Farben vertieft, Formen treten noch hinzu, andere können wieder verschwinden. Das ganze Bild wird ein weiteres Mal überarbeitet, die oft komplementären Farben harmonisiert, die letzten noch durchschimmernden Striche überdeckt. Dieser Vorgang wiederholt sich, bis das Bild eine geschlossene Oberfläche bildet, die durch das Schauen durchbrochen werden kann. Das Nebeneinander von weichem Grund und harter Kontur führt zu einem optischen Effekt von Tiefe und Klarheit.

Peter Kaufung, 12|10|2002

Ein Bild entsteht

Schule des Sehens
Hotel Georg / August 1996

Die Bilder dieser Ausstellung spannen den Bogen vom Aufbruch
in die Ölmalerei 1988 bis hin zu den neuen Werken von 1996.


 
War es zu Beginn ein Tasten im Dunkeln, ein Erahnen der Möglichkeitenvon Malerei: Transzendenz des Unterbewussten als Weghilfe in einer Zeitfragwürden Wertewandels und zunehmender Orientierungslosigkeit, wichdas Suchen im Dunkel den lichter werdenden Strukturen klarer Erkenntnisder Stellung des Menschen im Raum des Unendlichen. Hierbei stellt die Unendlichkeitkeine bedrohlich gleichgültige Finsternis dar, sondern eine farbigbeseelte lichtvolle Weite zusammenhängender, sich ergänzenderStrukturen, die im Einklang Leben bilden. 
Vorbereitende Photos, Zeichnungen und Aquarelle entstehen in den Wäldernder Bochumer Umgebung oder an den Stränden des Meeres, unterstützendie Arbeit im Atelier, bereiten die oft grossformatigen, in vielen Farbschichtengemalten Werke vor. 

Eine Bejahung des Lebens, welches gerade durch seine Vernetzung dazueinlädt, ein Miteinander zu leben und daher nur eine Herrschaft zulässt:Sich selbst gegenüber. 

Bilder können scheinbare Gegensätze und Widersprüchein sich vereinen, um so eine komplexe Sicht von Differenzen zu ermöglichen.Die Arbeit in der Natur macht das faszinierende, lebendige Spiel von Lichtund Schatten sichtbar und aufmerksam auf die Bewegung von Stein und Laub.Funkelndes Sonnelicht im Wasser, auf Blättern oder dem Waldboden ruftplötzliche Ahnungen hervor und Erinnerungen an das Wesen eines paradiesischenZustandes im Sein. 
Die frühen Bilder waren von einzelnen, raumgreifenden Figurenbevölkert, oft Königen in ihren von "Herrschaft und Trägheit"geprägten Spielen der Macht isoliert, vor meist dunklem Hintergrund. 

 
Die Bilder "Aufbruch ins Unbekannte" und "Turm am Morgen" markierenden Wendepunkt zwischen figurativer Monochromie und den tanzenden Formen. 

 
Im erstgenannten Bild scheint ein stark geschrumpfter menschlicherKorpus eine - zwar verlockend golden schimmernde, aber in sich zusammenknickende- Figur zu verscheuchen, abzuwehren, während der dunkle Hintergrundturbulent, blütengleich aufbricht. 
Der "Turm am Morgen" dann, zeigt den Blick auf ein Tal mit Fluss undBrücke, wobei die Betonung auf die unerschöpflich sprudelndenKräfte der Natur gelegt ist, dargstellt im Wirken des Baumes, derwächst, hält und wieder loslässt, der Baum, der im Zeitrafferder Jahre einem Springbrunnen gleicht, sich seinen Nährboden in jedemJahr von Neuem selbst bereitet. Und der Turm, das Monument, vom Menschenerschaffen, ist nur ein Stachel im Erdkörper. 
In dem Bild "Erdenklang" schliesslich kündigt das sich entfaltendeLicht der Morgensonne die nun folgende Werkphase farbkräftiger, umdas Thema Sonne, Licht, Leben und evolutionäre Prozesse kreisende Bilder an.
 

Peter Kaufung, Juli 1996


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